Da ich in letzter Zeit stark in berufliche Angelegenheiten eingespannt bin, habe ich es nicht rechtzeitig geschafft, den 30. Todestag des King of Reggae Bob Marley am 11. Mai 2011 mit einem Blogeintrag zu würdigen. Stattdessen sprangen mich am 11. Mai sehr viele doch recht unterschiedliche und teilweise seltsame Artikel im Netz ins Gesicht. Die meisten dieser Artikel entpuppten sich als eine mehr schlecht als recht recherchierte Zusammenstückelung von sogenannten „Fakten“ ohne oder mit unvollständigen Belegen. Die „Fakten“ werden durch teilweise unangebrachte Wertungen und Metaphern ausgeschmückt. Im Endeffekt ergibt das ein sehr einseitiges Bild der Person Bob Marley.
Der Online-Artikel „Er war ein Heiliger ohne Gande“ der Zeitung „Die Welt“ hat sich von allen schlecht recherchierten und einseitigen Meldungen definitiv den ersten Platz verdient. Nach dem Lesen des Welt-Artikels hat man den Eindruck, dass ein Reggae-Hasser als Verfasser ausgewählt wurde, um die Person Bob Marley zu diskreditieren. In der Diskussion direkt unter dem Artikel auf der Webpräsenz der „Welt“ werden teilweise kritische Kommentare gelöscht. Die Kommentarfunktion wurde vor kurzem deaktiviert; vermutlich um weitere kritische Stimmen nicht zu Gehör kommen zu lassen.
Im Folgenden nun ein Beispiel eines sogenannten „Faktums“ aus dem Welt-Artikel:
“Wie im rüden Reggae üblich, geißelte der junge Marley im Gesang die Todsünde der Homosexualität.”
Der einzige Hinweis, der dieses Faktum unterstützen könnte, findet sich in Bob Marleys Song „Who Cap Fit“ und lautet:
„Man to man is so unjust“
Isoliert betrachtet, lässt sich dieses Zitat gewiss homophob deuten. Jedoch muss man den gesamten Inhalt des Songs berücksichtigen. Bob Marley hat in seinem Songs immer zusammenhängende Lyrics geschrieben. Bei der kompletten Betrachtung des Songtextes von „Man To Man“ lässt sich das oben genannte Zitat so deuten: Mann gegen Mann im Sinne von Konflikten. Der Song „Who Cap Fit“ befasst sich definitiv nicht mit dem Thema Homosexualität.
Es finden sich im Welt Artikel noch etliche solcher vermeintlicher „Fakten“, die ich jedoch aus Zeitmangel hier nicht alle erläutern kann. Der Artikel „Wie die Welt den 30. Todestag von Bob Marley nutzt, um die Ressentiments ihres Klientels zu bedienen“ von Barbara Mürdter (popkontext.de) befasst sich ausführlich mit dem Artikel der „Welt“.
Der Kollege Houseofreggae befasst sich ebenfalls mit dem Welt-Artikel und weiteren Artikeln zu Bob Marleys 30. Todestag: „Wer war Bob Marley?“
Abschließend bleibt noch zu sagen: Guter Journalismus beleuchtet möglichst neutral beide Seiten der Medaille.








