Review: Easy Star All-Stars – First Light

Wenige Bands ohne Superstar-Status sind so weit herumgekommen wie das multi-ethnische Projekt Easy Star. Seit dem Erscheinen ihres 2003er Debüts „Dub Side Of The Moon“ (einer Reggae Interpretation von Pink Floyds „Dark Side Of The Moon“) haben die Damen und Herren bereits unzählige Konzerte in über 30 Ländern auf 6 Kontinenten gegeben und sich so eine weit gestreute Fanbase erarbeitet. Ursprünglich waren die heutigen Easy Star All-Stars als Studioband des New Yorker Independent Labels Easy Star Records und als Live-Backingband für dessen Künstler angedacht, entwickelten sich aber nach und nach zu einer eigenständigen Band mit – wie in Backingbands üblich – ständig rotierender Besetzung.
Auf ihr erfolgreiches Debüt folgten bald weitere Reggae Interpretationen berühmter Werke, die in weiteren drei Studioalben verewigt wurden.
Mit „First Light“ schicken die New Yorker nun ihr fünftes Studioalbum ins Rennen und damit – das ist neu – ihren ersten Longplayer, der nur eigenes Material enthält.

Tracklist

01. Don’t Stop The Music
02. Break Of Dawn
03. First Light (Ramblin’ Fever)
04. One Likkle Draw feat. Junior Jazz And Daddy Lion Chandell
05. Something Went Wrong
06. Easy Now Star feat. The Meditations, Tony Tuff, And Lady Ann
07. Universal Law
08. Paid My Dues
09. Reggae Pension
10. In The Light
11. Unbelievable feat. Cas Haley
12. All The Way
13. I Won’t Stop
14. Don’t Stop Dub Music
15. First Light (Dubmatix Remix) [Bonus]
16. Demons [Bonus]

Die „All-Stars“ rekrutieren sich aus 12 Angehörigen des Projekts, sowie 9 Gastmusikern, was sich entsprechend vielseitig auf den Stil der Scheibe auswirkt: natürlich liegt der Schwerpunkt der Platte auf Reggae, genauer gesagt auf Roots und Dub, dieser ist allerdings gespickt mit unzähligen Einflüssen anderer, vornehmlich „schwarzer“ Musikrichtungen wie Soul, Funk, R’n’B, etc. So wechseln sich beispielsweise tiefsinnige, soulige Balladen wie „First Light (Ramblin’ Fever)“, mit Laid-Back-Roots („Reggae Pension“) und 90er-Jahre-Ragga („Paid My Dues“) ab. Hinzu kommen ein breiteres Spektrum an Gesangsstilen und stimmlichen Harmonien, als es auf den meisten anderen Reggae-LPs der Fall ist. Die durchgehend glasklar und fett produzierten Tracks sind außerdem so aneinandergereiht, dass keine Monotonie entsteht.
Zu den bereits erwähnten Gastmusikern finden sich außerdem hochkarätige Feature-Acts wie Tony Tuff und The Meditations ein, die zusammen mit Lady Ann das wunderbar entspannende „Easy Now, Star“ beisteuern. Besonders die Sängerinnen der Easy Star All-Stars, Kirsty Rock und Joanne Williams, überzeugen durchweg und breiten unter anderem in „Break Of Dawn“ und „All The Way“ ihr Können über leicht poppige, aber schöne Klangbetten aus. Humorvoll geht es in „One Likkle Draw“ zu: der Song ist ein Duett zwischen einem Polizisten und einem Ganja Farmer. Bei all der Buntheit der LP, fehlt es „First Light“ dennoch nicht an markanten Höhepunkten: das bestechende „Unbelieveable“ feat. Cas Haley und die Hymne „I Won’t Stop“ stechen noch einmal deutlich hervor.

Allerdings ist auch „First Light“ trotz vielem Lobe nicht perfekt:
Zum einen ist die Vielzahl an Sängern zwar einerseits schön abwechslungsreich, verhindert jedoch andererseits, dass sich dem Hörer ein „roter Faden“ in Form einer markanten Hauptstimme oder eines sich klar abhebenden Gesangsstils erschließt. Wer – und ob überhaupt jemand – für den Leadgesang verantwortlich ist, lässt sich daher nur schätzen bzw. im Booklet nachlesen. Zum anderen sind die Texte und Messages sehr einfach und universell gehalten. Intelligente Wortspiele oder interessante philosophische Gedanken tauchen so gut wie nicht auf.

Fazit

Bei „First Light“ handelt es sich um ein sehr vielseitiges und gemütliches Reggae-Album, welches sich weder aufdrängt, noch inflationär mit Effekten um sich wirft und dennoch ausgezeichnet produziert ist. Die Easy Star All-Stars legen ihre Schwerpunkte sehr deutlich auf Instrumentalisierung und harmonisches Zusammenspiel, während das Message-Repertoire eher wenig Neues oder Überraschendes bietet. Dafür bricht „First Light“ mit den gängigen Klischees, dass viele Köche den Brei verderben und dass multiethnische Reggaebands und „One Love“ nur „Political Correctness“-Erscheinungen sind. Außerdem lässt sich die Scheibe wirklich schön in Dauerschleife hören, ohne allzu schnell langweilig zu werden.

First Light“ ist am 29. April 2011 bei Easy Star Records erschienen und ist als CD und MP3 erhältlich.

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