Ewig auf ein Dancehall-Album gewartet, das man einlegen, ohne Skip-Tasten-Gebrauch durchhören kann und das auch morgen noch gut ist? – Hier ist es: “Unter Freunden” ist das vierte Studioalbum der selbsternannten “Dancehallpunks” Mono & Nikitaman und – soviel vorweg – der Meisterbrief des Duos.
“Unter Freunden” ist ab dem 1. April 2011 als CD, Vinyl und MP3 überall erhältlich.
Tracklist
01. Intro
02. Unter Freunden
03. Karma feat. Ce’cile
04. Zeit steht still
05. Komplizen
06. Wenn sich der Neben verzieht feat. Gentleman
07. Schwerelos
08. Ein paar Meter
09. Cash
10. Dezibel
11. Kontrast
12. Rückkehr der Clowns
13. Superstar
14. Underground
15. Showdown feat. Rebellion “The Recaller”
Textlich hochwertig wie gewohnt, toll produziert, Hymne jagt Hymne, das Zusammenspiel funktioniert mal wieder hervorragend und die Features können auch ordentlich was.
Na gut, CD in den Player und los geht’s:
Nach einem spannungsaufbauenden Intro kommt auch schon der Namensgeber des Albums mit Pauken, viel Bass und Trompeten anstolziert: „Unter Freunden“. Mächtiges Machwerk, voll auf die Zwölf und live sicherlich ein ewiger Burner.
Bei „Karma“ darf Dancehall-Diva Ce’Cile ein zweites Mal ran – und das wesentlich stilsicherer als bei ihrem ersten Auftritt auf M&Ns Debütalbum „Das Spiel beginnt“.
Handclap-mäßig geht es weiter mit „Die Zeit steht still“ auf dem “Better Life Riddim“. Aufatmen, Augen schließen und zurücklehnen. Seufzen nach eigenem Ermessen.
Das stylishe „Komplizen“ ist schon etwas bekannter, da die zwei den Tune ja bereits zum Jahresstart als kostenlosen Download released haben.
In „Wenn sich der Nebel verzieht“ erweist Deutschlands Vorzeige-Reggaestar Gentleman Mono & Nikitaman einen Freundschaftsdienst. Nicht überraschend, dafür aber schön solide.
„Schwerelos“ geht es weiter mit dem gleichnamigen, chemisch-trippigen Tune. Verdammt interessantes Ding!
Mit „Ein paar Meter“ und „Cash“ zeigen sich die beiden von ihrer stärksten Seite: Gesellschaftskritik mitreißend verpackt. Diese beiden Tunes bilden ohne Frage den Höhepunkt des Albums.
Laut und freaky kommt „Dezibel“ daher, ist allerdings etwas lang geraten.
Einer der wenigen, aber äußerst stimmigen Roots-Songs des Longplayers ist „Kontrast“: schön ehrlich und ehrlich schön.
„Die Rückkehr der Clowns“ und „Superstars“ machen eins besonders gut: sie vermitteln politische Message mit Humor. Zweiterer fällt außerdem durch geniale Reime auf.
Eine Treppe tiefer geht’s in „Underground“ – der Titel ist selbsterklärend.
Wer auf tragisches Storytelling steht, wird die Repeat-Taste bei „Showdown“ nicht mehr loslassen und Rebellion The Recallers schön universellen Refrain in sich aufsaugen.
Fazit
“Unter Freunden” ist einfach ein lyrischer, musikalischer und stilistischer Meilenstein deutschen Dancehalls und Mono & Nikitamans bisher reifste LP. Nächstes Mal darf’s dann aber auch wieder ein bisschen mehr Roots sein, bitte.
Allerdings muss bei all den Lorbeeren auch ein kleines bisschen Kritik sein: Monos Gesang wird von Album zu Album undeutlicher– sorry, gesanglich gibt’s da ja echt nix zu meckern, aber ich möchte den Text eben auch ohne Kopfhörer verstehen.
Nichtsdestotrotz gibt es in Deutschland derzeit wirklich nur eine Dancehall-Formation, die sich selbst feiern kann und darf, ohne dass man sie dafür belächelt: Mono & Nikitaman!
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