Review: Bjahm – Zeit für Bashment + Download

Mixtapes sind Gemischtwarenläden. Es handelt sich genauer gesagt um Momentaufnahmen von Können und Style, Repertoire und Bandbreite eines Künstlers und einem Soundsystem. Auf einem solchen Mixtape findet man alles, vom tiefsten Conscious-Roots bis zum derbsten Hardcore-Dancehall. Dementsprechend schwierig ist es, einen roten Faden zu finden oder wirkliche Kritik anzubringen, da ein Mixtape oft aus dem Affekt, das heißt einer gewissen Stimmung entsteht und nicht selten Material enthält, für das sich der Künstler zu einem späteren Zeitpunkt selbst an den Kopf fasst.

Das Mixtape „Zeit für Bashment“ ist eine Co-Produktion von Bjahm, dem zurzeit auf Solopfaden wandelnden Frontmann der Roots Rock Pioneers und der Soundcrew Maddest Jugglin, die ihn zugleich (re-)mixt und präsentiert.

01. Sound
02. Seid Ihr Bereit
03. Woiya
04. Leute fragen
05. Haut ab
06. Feindbild
07. Dreischicht
08. Raubtier
09. Candlelight
10. Weed blazin‘
11. Spliffhänger feat. Flixx
12. Tu’s nei
13. Dancehall Disco
14. Yeah feat. Flixx
15. Summerhitz feat. Thom-Sun
16. Zahlen und Fakten
17. Respect
18. Reggaeon

Mit „Sound“, „Seid ihr bereit“ und „Woiya“ macht Bjahm das, was man von einem guten Deejay erwartet. Er gibt Vollgas und heizt an – so weit, so gut. Allerdings beinhalten die ersten drei Tunes außer einer handvoll lyrischer Strasssteine keine echten Diamanten. Message: Party! Alright!
Nach einem “Seven Nation Army”-Skit namens „Leute fragen“ kommt der erste Tune mit gewissem Anspruch: „Haut ab“ featured Bjahms Kumpel Flixx und richtet sich gegen alle Arten von Faschisten, hat zugleich Feuer und zeigt, dass Bjahm nicht nur den nächsten Dance im Kopf, sondern politisches Bewusstsein hat.
Hymnenhaft und noch eine Ecke besser kommt „Feindbild“ daher, geht ins Ohr und bleibt da. Einer der besten Tunes der Platte!
In „Dreischicht“ beweißt Bjahm, dass Eigenlob nicht stinkt, sondern stimmt: solider Tune, konkrete Ansage, richtig gutes Storytelling – kurz: dick!
Ab „Raubtier“ wird es dann inhaltlich insgesamt wieder etwas flacher, bleibt aber lyrisch zumindest für die Dauer eines Tunes noch sehr stimmig, bevor es dann mit „Candlelight“ wieder völlig ins Partyeske abgleitet. „Auch wenn sich der Abend dem Ende neigt / More fire statt Candlelight“ ist zwar eine hübsche Punchline, der Rest des Songs allerdings eher nebensächlich. Egal, denn Riddim-Wechsel und Punchline machen den Song immerhin unterhaltsam.
Das Skit „Weed blazin“ bildet den Auftakt zum temporeichen Tune „Spliffhänger“ – abermals mit Flixx. Der Song zeichnet sich weniger durch besonderen Tiefgang als durch gekonntes Reimen aus – schön verschachtelte, teils silbengenaue Reime und etwas Storytelling geben diesem Remix seinen starken Charakter.
Der Logik eines Mixtapes zufolge müssen allerdings nach einigen starken Tracks auch wieder einige schwächere folgen. Diesen Part übernehmen die beiden nächsten Songs „Tu’s dir rein“ und „Dancehall Disco“. Die Lyrics hat Bjahm wahrscheinlich fünf Minuten vor dem Recording zusammengefreestylt und zum Inhalt ist nur zu sagen: flach, flacher, Klischee – Skip-Taste nach eigenem Ermessen.
Nach dem vorangegangenen Dancehall-Trommelfeuer ist „Yeah“ – ebenfalls mit Flixx – als schicker und schneller Ska eine schöne Abwechslung und auch in Sachen Reimarbeit nicht von schlechten Eltern. „Yeah“ ist zwar eigentlich nur eine simple Tanzaufforderung, aber das bekommt der Tune auf Anhieb hin.
Ein wirklich kniffliger Fall ist „Summerhitz” feat. Thom-Sun: wohlüberlegte Strophen kombiniert mit einem ausgelatschtem Refrain ergibt zwangsläufig verschenktes Potenzial.
In „Zahlen & Fakten“ sinniert Bjahm über den sog. Datenschutz beziehungsweise die schöngeredete Schäuble’sche Vorratsdatenspeicherung und macht das wirklich gut, so dass die Message selbst beim noch so abgestumpften Dancehall-Junkie einfach ankommen muss.
Schade, dass „Respect“ zwar haufenweise positive Vibes und guten Willen mitbringt, aber stilistisch und textlich dumpf und beinahe unsicher daherkommt.
Den Abschluss bildet schließlich „Reggaeon“  – ein Wortspiel mit „Region“ – auf Damian Marleys und Nas’ „Road to Zion“-Riddim. Dieser Tune präsentiert sich ebenfalls – vor allem durch die vielen „Ya Mann“s – etwas unsicher.

Fazit

Bjahm präsentiert eine ungeheure Style-Bandbreite, kann jedoch nicht mit jedem überzeugen und bewegt sich dafür stimmlich zu wenig. Denn wer schon nicht richtig singt, der muss sich lyrisch unter Beweis stellen und das tut der Künstler hier nur bedingt. Weniger „Ya Mann“s täten beispielsweise ganz gut. Sicherlich steht Bjahm dabei auch ein bisschen die eigene Sprache im Weg, da die jamaikanische Dancehall oft deutlich schlechtere Styles und Themen an den Tag bringt, der Durchschnittshörer hierzulande aber den Vorteil hat, nicht alles zu verstehen.
Insgesamt ist und bleibt „Zeit für Bashment“ eben das, was es sein soll: ein Mixtape voller Hochs und Tiefs mit geringen Ansprüchen an den Zuhörer, dafür aber ordentlich Laune, Feuer und Durchhör-Feeling.

Download

Mehr Info