
Zugegeben, als ich „Asher“ las, musste ich erst einmal darüber nachdenken, um welchen Asher es denn jetzt geht. Denn es gibt ja bekanntermaßen unzählige „Bantons“, „Juniors“, „Generals“… und bestimmt ebenso viele „Ashers“ in der weltweiten Reggaelandschaft. Somit hat sich Daniel Asher schon vom Moment seiner Namenswahl an die Aufgabe auferlegt, aus all den Artists namens Asher hervorzustechen.
Beim Hören seines Debütalbums „Stand Tall!“ stellt sich einem allerdings auch gleich die Gegenfrage: Will er überhaupt hervorstechen?
Daniel Asher, der sich vor Aufnahme vor allem einen Namen durch Kollabos mit in der schwedischen Reggaeszene bekannten Artists wie Papa D oder Governor Andy gemacht hat, legt nun zusammen mit der Jah Convenant Band ein spätes, aber dafür sehr solides Erstlingswerk vor.
Tracklist
01. Twelve Tribes
02. A Place In The Sun
03. Hold On
04. Fire
05. Sing Praises
06. Higher Places
07. Stand Tall
08. Forever
09. Give Jah Praise
10. Never Let I Down
11. Jah Rasta Far I
12. I Got Love
Wie bereits auch der Pressetext verrät, handelt es sich bei „Stand Tall!“ um true roots, dub, nyahbinghi and catchy melodies – eine Beschreibung, der in Sachen Ausrichtung und Stil schon mal nichts hinzuzufügen ist.
Musikalisch sehr tight, swingt Daniel Asher nebst Backingband fast eine Stunde lang souverän und unverkrampft vor sich hin. Vor allem im Detail steckt wahre Freude, stellt man doch fest, dass nahezu jedes verwendete Stilelement (z.B. Fill, Rimshot) perfekt in den Sound eingepasst ist. Die Jah Convenant Band klingt wie eine richtig gute jamaikanische Backingband und hat einfach ihr Handwerk nicht nur gelernt, sondern wirklich verstanden, wie man hören kann.
Daniel Asher trifft zwar nicht jeden kleinen Ton hyperexakt, jedoch machen das Leidenschaft, Wärme und Freude, die in seiner Stimme mitschwingen, absolut wett. Besonders in der mittleren Tonlage (d.h. im Bereich um die Sprechtonlage) ist Asher stark und spielt sein Blatt voll aus. Was er in den höheren Lagen nicht immer ganz so gut hinbekommt, singen seine Background-Ladies problemlos weg.
Sprachlich bewegt sich das Album komplett im Englischen, bzw. dem, was ich gerne als „Patwah light“ bezeichne. An mehreren Stellen lassen sich hier in Sachen Stimme, Intonation und Betonung Vergleiche mit Uwe Banton (ein Beispiel der vielen „Bantons“) anstellen.
Textlich und thematisch allerdings bewegt sich der Künstler nicht über den altbekannten Rahmen des Roots Reggae hinaus: als bekennender Rastafari lässt Asher keine Möglichkeit aus, dies zu unterstreichen und wirkt an manchen Stellen schon missionarisch. Neben dem „üblichen“ Anprangern weltweiter Missstände stehen vor allem H.I.M. Haile Selassie I., Righteousness, Fire und Jah Praises im Vordergrund. „Stand Tall“ lässt tiefergehende Lyrics und Wortwitz vermissen und setzt vom Hörerlebnis her lieber auf Traditionelles als auf Individuelles. So merkt man nicht, dass Herr Asher aus Schweden kommt – was zum einen positiv ist und ihm sicherlich den Einstieg ins internationale Musikgeschäft erleichtert, zum anderen aber auch als Mangel an eigenen Ideen ausgelegt werden kann, da z.B. landesspezifische Themen unbehandelt bleiben.
Dadurch wird auch das Verprechen im Pressetext, das Album setze neue Standards in Sachen schwedischem Reggae, nicht so wirklich eingehalten, da es sich hierbei eher um alte Standards handelt.
Jedoch ist „Stand Tall!“ insgesamt schön anzuhören, vor allem, wenn dies passiv, d.h. nebenbei geschieht. Hier lässt sich auch noch einmal die anfangs erwähnte Frage heranziehen: Will Daniel Asher sich überhaupt von seinen Namensvettern abheben? Diese Frage überlasse ich dem Künstler selbst, jedoch muss er es sich ja auch nicht zwangsläufig abheben. Denn die Platte ist zwar kein Meisterwerk, aber ein solider Erstling und durch die Universalität von „Stand Tall!“ sind Akzeptanz und Wohlwollen bei der weltweiten Reggae-Hörerschaft quasi vorprogrammiert.
Kaufen
„Stand Tall!“ ist direkt über Daniel Ashers Myspace Seite oder im Mailorder von Studio Skanky erhältlich.
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The album “Stand Tall!” is now distributed in Germany by Irie Records. Check their website at:
http://www.irie-records.com
They have 45 second slips of each song.
Bless up!