Aruba Red hat sich für Oleejah.de die Zeit für ein ausführliches Interview genommen. Wer des Englischen nicht mächtig ist, hat hier die Möglichkeit das Interview auch in deutscher Sprache zu lesen. Vielen Dank an Raoul für die Übersetzung!
Oleejah.de (Oleejah): Hi Aruba Red! Vielen Dank, dass du dir ein bisschen Zeit für dieses Interview nimmst. Bitte stell dich doch erstmal den Lesern von Oleejah.de vor.
Aruba Red: Hi, mein Name ist Aruba Red, ich beschreibe mich selbst als Sänger-Songwriterin, Poetin und Aktivistin. Ich lebe in London, wurde aber in Stuttgart geboren und bin sehr stark von Reggaemusik beeinflusst.
Oleejah: Wieso hast du Aruba Red als Künstlernamen gewählt?
Aruba Red: Mein Künstlername wurde für mich von meiner Schwester Kyla ausgesucht. Aruba Red war eine legendäre Piratin, die die karibische See unsicher machte. Ich war angetan von der Vorstellung dieser starken und rebellischen Frau und unverkennbar ist ja auch der Teil der Welt, in dem sie lebte, maßgebend für meine Musik gewesen. Ebenso hat Piraterie eine wichtige Rolle dabei gespielt, in welche Richtung sich die Musikindustrie in den letzten paar Jahren entwickelt hat; der Name ist auch so etwas wie ein teils gut gemeinter, teils ankreidender sozialer Kommentar zu diesem Ganzen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Piraten oft falsch dargestellt werden und der Gedanke, Piraterie mit einer positiven Message zu verschmelzen, ist etwas, was mich inspiriert… Ich habe keine Angst davor, meinen eigenen Weg zu beschreiten und Auflehnung fließt durch meine Adern, also will ich das Wesen von Miss Red lebendig halten.
Oleejah: Wann hast du damit angefangen, Musik zu machen und warum?
Aruba Red: Musik war schon immer ein Teil meines Lebens, meine Großmutter spielte wundervoll Violine im Stuttgarter Orchester in den frühen 50ern und mein Vater war ein professioneller Musiker und Komponist. Dieses musikalische Erbe hat mich sehr stark geprägt. Obwohl ich schon immer gerne gesungen habe, hatte ich in jüngeren Jahren nicht das Selbstvertrauen, vor Leuten zu singen, ich war schüchtern und zog es vor, Kurzgeschichten und Gedichte zu schreiben. Vor einem Publikum zu agieren ist etwas, das erst wesentlich später kam, ich wurde von einem Freund, der versuchte, einen Plattenvertrag zu bekommen, darum gebeten, auf ein paar Demos zu singen. Dies brachte mir Erfahrung im Studio ein und schürte mein Selbstbewusstsein. Daraufhin begann ich damit, auf Open Mic Nights in London aufzutreten, was mich richtig aufputschte und mich anspornte, mich auf die nächste Stufe hinauf zu wagen. Ich fing an, mit verschiedenen Produzenten zu arbeiten, gründete bald darauf meine eigene Band und so begann es, dass ich gefragt wurde, ob ich nicht auf Gigs und Festivals spielen wolle. Von da an schraubten sich die Dinge unheimlich in die Höhe und als ich gefragt wurde, ob ich mit dem unglaublichen Nitin Sawhney zusammenarbeiten wolle, merkte ich, dass es Zeit wurde, die Musik ernster zu nehmen und sie zu einer Vollzeittätigkeit werden zu lassen. Dies war der Zeitpunkt, als ich meinen Job als Kindererzieherin aufgab.
Ich denke, dass meine Entscheidung, Musik rund um die Uhr zu machen, auf das Bedürfnis zurückzuführen ist, gewisse Freuden und Leiden aufzuarbeiten; Singen und Schreiben ist für mich eine Art Therapie, etwas, das eher mich ausgewählt hat, als andersrum. Ich wollte schon immer eine politische Kommentatorin sein und ich habe Philosophie und Ethik an der Univerität studiert, nur ist die Musik einfach etwas, was man nur schwerlich vernachlässigen kann!

Oleejah: Welche Musik beeinflusst dich am stärksten?
Aruba Red: Ich liebe viele verschiedene Musikstile und viele Songs und Künstler haben mich beeinflusst: von Bob Dylan zu Bob Marley, Erykah Badu zu Immortal Technique. Ich liebe Musik, die Geschichten erzählt und dich eine gewisse Echtheit fühlen lässt. Ob das jetzt ein politischer HipHop-Song ist, der Ungerechtigkeiten anprangert oder ein Folk-Song, der mir die Geschichte eines Verlusts erzählt, in der Musik geht es immer um Ausdruck. Deswegen liebe ich Reggae so sehr; es stellt oft eine Plattform zur Verfügung, die Künstlern erlaubt, über politische Ungerechtigkeiten und das Leid der Stimmlosen zu singen. Man findet im Reggae manche der wunderschönsten Liebeslieder, genauso wie starke, hoffnungsvolle Songs.
Oleejah: Du beschreibst deinen aktuellen Sound als “Roots vs. Dubstep”. Kannst du uns darüber etwas erzählen?
Aruba Red: Diese Beschreibung ist erst kürzlich erfolgt und sie beschreibt mein neues, aktuelles Material. Um ehrlich zu sein, wechsle ich meine Beschreibung ständig! Ich mag es nicht, über ein Genre definiert zu werden, oder in eine Schublade gesteckt zu werden – Musik ist Musik. Bei der „Roots vs. Dubstep”-Definition geht es darum, dass Altes auf Neues trifft, mein Sound ist von Reggae und Roots beeinflusst, aber zugleich verschmelze ich ihn mit neueren, zeitgemäßeren Sounds; ich versuche immer, die Dinge fresh und verschiedenartig zu gestalten.
Oleejah: Die Lyrics deiner Songs sprechen wichtige Themen auf eine spirituelle Weise an. Welche Themen sind das und was bedeutet Consciousness für dich? Wie wichtig ist die Message eines Liedes?
Aruba Red: Ich singe über viele verschiedene Dinge, Sachen, die an die Oberfläche gebracht werden müssen. Ich singe und schreibe über die Frustration, die wir fühlen, wenn unsere Regierungen Dinge in unserem Namen tun, aber gegen unseren Willen, ich singe darüber, wie es ist, sich hilflos zu fühlen, aber dennoch aufrecht gegen Ungerechtigkeit zu stehen. Wir leben in turbulenten Zeiten, aber ich denke, es ist sehr wichtig, dass wir hoffnungsvoll bleiben und die friedlichen und positiven Menschen zusammenbringen. Consciousness heißt für mich, immer danach zu streben, eine höhere Ebene des Bewusstseins zu erreichen. Tiefer in Dinge einzutauchen, anstatt nur das Oberflächliche zu sehen und sich selbst zu verbitten, von den herrschenden Kräften bevormundet zu werden Es geht darum, die Wahrheit zu suchen. Deswegen ist die Message eines Songs so wichtig für mich: sie ist das Herz des Ganzen.
Oleejah: Du hast dein selbstbetiteltes Debütalbum “Aruba Red” letztes Jahr veröffentlicht. Kannst du uns etwas über dein erstes Album erzählen? Welche Art von Antworten und Reaktionen hast du darauf bekommen?
Aruba Red: Die Arbeit an meinem ersten Album war wie eine wichtige Reise für mich. Es vermischt alle Musikstile, die ich liebe, die mich prägen und ausdrücken, wie ich über diese Welt denke. Es war ein unabhängiges Projekt, das ich herausbringen wollte, um denjenigen Menschen Zugang zu meiner Musik zu ermöglichen, die mich von Anfang an unterstützt haben und natürlich, um meine Message zu verbreiten. Ich wollte es auf einem Basislevel veröffentlichen, ohne großen Hype, ohne Marketingkampagne… nur, um zu sehen, was passieren würde und wie die Leute darauf reagieren würden. Es war ein gutes Gefühl, etwas rohes und underground-mäßiges rauszubringen. Das Feedback, das ich bekommen habe, war klasse und sehr ermutigend. Mein Album wurde zweimal auf der Hauptseite der iTunes-Reggae-Section gefeatured, sowie in der „Best of“-Kategorie, zwei der Songs vom Album wurden sogar als “Hottest Homegrown Track” auf BBC Radio 1 und “Best Alternative” auf BBC 1Xtra vorgestellt. Nach der Veröffentlichung des Albums wurde ich darum gebeten, ein Akkustikset in den iTunes-Räumlichkeiten in London zu spielen, was eine coole Erfahrung war. Aber um ehrlich zu sein, ist die beste Sache an diesem Rausbringen einer Platte immer noch, dass ich Nachrichten von Leuten bekomme, die die Songs toll finden und die mir erzählen, wie sie das Album verstehen… das ist das Wertvollste daran und gibt mir das super Gefühl, dass ich mit Leuten auf der ganzen Welt durch Musik verbunden bin.

Oleejah: Du arbeitest mit einer Menge verschiedener Musiker zusammen, zum Beispiel die international bekannten Reggae Stars Jah Cure und Jah Mason, die du auch in zwei deiner Songs featurest. Hast du die Collabos gerne gemacht? Und wie hast du sie kennengelernt?
Aruba Red: Diese Kollaborationen waren beide super. Mason und Cure sind beide große Künstler, deren Musik ich sehr mag. Jah Mason und ich kamen über einen Familienfreund dazu, “Struggling” aufzunehmen, ich habe diesen Song mit dem britischen Folk-Künstler Sam Carter geschrieben. Jah Mason stimmte zu, dem Song um seinen Gesang zu bereichern und so kamen wir in die Top 10 von Irie fm, was mich umhaute. Als Jah Mason letztens im Vereinigten Königreich zugegen war, performten wir den Track live auf der „Love Music – Hate Racism“ Aftershowparty, was echt cool war.
Jah Cures Karriere habe ich lange Zeit verfolgt und eine Collabo mit ihm zu bekommen, war bisher ein echtes Highlight in meiner Karriere. Wir haben uns zum ersten Mal im legendären King Jammy’s Studio in Kingston getroffen und den Song “Light Up Light Up” zusammen aufgenommen. Ein paar Monate nach der Aufnahme des Tracks bin ich dann wieder nach Jamaika geflogen, um das Musikvideo zu drehen, dessen Dreh meine Schwester Kyla geleitet hat und das man nun auf Youtube sehen kann; da gibt es auch ein Behind the scenes-Video, das meine Freundin Brittany für mich gedreht hat.
Kollaborationen sind ein wichtiger Bestandteil meiner künstlerischen Entwicklung, ob nun mit anderen Sängern, Musiker oder Produzenten – es geht dabei darum, zusammenzukommen, neue Dinge zu lernen, zu experimentieren und keine Angst vor Risiken zu haben.
Oleejah: Du bist zum Aufnehmen und Filmen nach Jamaika gereist. Was für einen Stellenwert hat das Mutterland der Reggaemusik für dich?
Aruba Red: Jamaika ist eine wunderschöne Insel mit einer interessanten Geschichte, die Leute und die Musik haben in hohem Maße das geprägt, was ich tue. Ich bin durch meines Vaters Karriere mit Musikern aus aller Welt aufgewachsen; Musiker aus verschiedensten Ecken, wie Kuba, Amerika und Puerto Rico und ich hatte das große Glück, in jungen Jahren bereits in die Karibik reisen zu dürfen und daher habe ich auch meine Leidenschaft für Reggae. Jamaika ist ein Ort, an dem ich in Zukunft hoffentlich noch mehr Zeit verbringen werde, ich plane einen weiteren Trip diesen Sommer, um das Veröffentlichung von “Light Up Light Up” zu promoten.
Oleejah: Dürfen wir mit neuen Aruba Red-Projekten für 2010 rechnen?
Aruba Red: Ich arbeite zurzeit an neuem Material und plane gerade die Veröffentlichung meiner Zusammenarbeit mit Jah Cure. Ich bin begeistert davon, mit Musik noch mehr Leute zu erreichen und ich genieße den Prozess. Ich gespannt darauf, mit neuen Produzenten und an neuen Sounds zu arbeiten. Ich freue mich schon darauf bei den BBC Maida Vale Sessions hier in London aufzutreten, sowie auf den Sommerfestival, wie “One Love” im August, zusammen mit Luciano und Rodigan. Ich kann es kaum noch erwarten, endlich wieder die Sonne auf meiner Haut zu spüren, denn es war ein langer, kalter Winter! Ein weiteres spannendes Projekt ist die Zusammenarbeit mit Mad Professor, was für mich eine Ehre darstellt; wir haben zusammen einen Track namens „Warrior“ aufgenommen, auf dessen hoffentlich baldige Veröffentlichung ich mich freue.
Oleejah: Du planst, einige Shows im Ausland, z.B. in Deutschland zu spielen. Möchtest du uns in deinen Plan einweihen?
Aruba Red: Ich liebe Reisen, ich möchte es noch öfter tun und natürlich würde ich gerne in Deutschland performen, weil ich dort geboren worden bin und dort bis zu meinem dritten Lebensjahr gelebt habe. Ich würde gerne einige Shows spielen und so zurück zu meinen Roots gelangen! Ich hoffe, ich komme bald mal nach Deutschland, zwar ist Auftreten im Vereinigten Königreich klasse, aber es ist immer schön, an neuen Orten zu spielen, neue Leute kennenzulernen und den Sound zu weiterzutragen. Wie ich höre, hat Deutschland eine sehr lebendige Reggaeszene und einige große Festivals, sodass es super wäre, Teil davon zu sein.
Oleejah: Gibt es irgendwelche deutschen Reggaebands oder –künstler, die du magst?
Aruba Red: Gentleman ist ein unglaublicher Künstler, ich liebe seinen Song „Intoxication“. Ich habe definitiv große Lust darauf, noch weitere deutsche Künstler und Soundsystems kennen zu lernen und es wäre klasse, rüberzukommen und die Szene zu checken. Es ist immer toll, neue Bands und Musik kennenzulernen.
Oleejah: Ein Abschlusskommentar für die Leser von Oleejah.de:
Aruba Red: Ich möchte Oleejah für die Unterstützung meiner Musik und für das Interview danken und ich hoffe, dass ihr euch als Leser ein bisschen Zeit nehmt, meine Musik kennen zu lernen. Ihr könnt mein neues Video “Light Up Light Up” auf Youtube und mein Debütalbum auf iTunes finden: es gibt außerdem ein paar Limited Edition CDs, die ihr über meine MySpace-Seite erwerben könnt.
Wenn ihr mögt, was ihr hört, dann bittet eure regionalen Radiosender „Light Up Light Up featuring Jah Cure“ zu spielen!
Ich hoffe, dass ich demnächst mal in einer Stadt in eurer Nähe bin!
Much love & power to the peaceful x
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